Im Spiegel ganz vorne

Plön hat es geschafft, es im redaktionellen Teil de aktuellen “Spiegel” auf die erste Seite – gleich nach den Leserbriefen – zu bringen.

Die Überschrift: „Widerstand gegen den Zensus wächst“ ist ein wenig irreführend, der Widerstand hätte vor 2 Jahren, also vor der Durchführung des Zensus – erfolgen müssen, jetzt wächst lediglich der Widerstnd gegen die Ergebnisse, besonders bei denen, die durch Einwohnerverluste besonders betroffen sind, z.B. Plön.

Der Widerstand gegen den Mikrozensus war verschwindend gering, getragen von Leuten, die wegen Ihrer Bedenken gegen die Datensammelwut lächerlich gemacht wurden, wenn sie denn überhaupt zur Kenntnis genommen wurden. Dabei lassen die Ergebnisse des Mikrozensus – ordentlich gerastert – vermutlich eine Klassifizierung einzelner Personengruppen oder eine Identifizierung von Individuen zu.
Da hatte der Widerstand gegen die Volkszählung 1987 eine ganz andere Qualität, die Älteren unter uns werden sich erinnern.

Schlimmere Einwohnerverluste haben wohl nur Fiedland, List und Freistatt hinnehmen müssen. Für List kann ich mir den  Verlust erklären. Hier war die ehemalige Marineversorgungsschule ansässig. Vermutlich wurden die Marineschüler seinerzeit unter Androhung von Zwangsgeld gezwungen, sich in List anzumelden, wenn sie für einen Zeitraum von über 6 Wochen zur Schule versetzt oder kommandiert wurden. Abgemeldet haben sich dann nicht alle, so dass sich dann ein Berg von Karteileichen angesammelt hat.
Ich selber habe mich in meiner Zeit als zweiter Wachoffizier auf Unterseeboot U 18 geärgert, als die Stadt Eckernförde in dieser Angelegenheit auf unser Boot zukam, um die Meldepflicht durchzusetzen, weil daraus Ärger und Zeitaufwand erwuchs. Den Groll der Soldaten konnte ich verstehe. Die Besatzung fuhr seinerzeit zwischen 120 und 160 Tagen zur See. Am Wochenende war von den Maaten und Obermaaten, die mehr als die Hälfte der Besatzungen stellten, nur die Wache in Eckernförde anwesend, die übrigen konnten den Dienstschluss am Freitag kaum abwarten, schließlich mußten sie noch vor dem Stau durch den Elbtunnel in Richtung Süden unterwegs sein, um bei der NATO-Rally einen der vorderen Plätze zu belegen. Wenn man Seefahrtstage, Werftaufenthalte, Wochenendtage und Urlaub abzog, war man eigentlich kaum am Standort.

Das kulturelle und soziale Angebot (Schwimmbad, Stadtbücherei, Kindergarten usw.) wurde – und für die Maaten und Obermaaten unserer damaligen Besatzung kann ich das sagen –nicht in Anspruch genommen. Die Wirtschaften wurden durch Besuche im „Frau Clara“ oder anderen Speise- und Schankstätten gefördert.

Dass der Standort der Schwerpunkt der Lebensinteressen sei, das Argument, mit dem der Zwang zur Anmeldung begründet wurde, war sicher höchstrichterlich abgesichert, traf faktisch aber nicht zu. Hinzu kam, dass die Ummeldung selber einen weiteren administrativen Rattenschwanz nach sich zog, den jeder nach Kräften vermeiden wollte.
Auch heute ist es noch so, dass sich die ledigen Soldaten im Stützpunkt ihres Schiffes oder Bootes mit erstem Wohnsitz zu melden haben, aber mittlerweile sind die sechs Wochen, soweit ich weiß, auf sechs Monate ausgedehnt worden. Das ist möglicherweise einer der Gründe, der zu Plöns massiven Einwohnerverlusten beigetragen hat. Die Lehrgangsteilnehmer der MUS müssen sich nicht mehr anmelden und fallen damit als ständig wechselnder, aber in seiner Größe beständiger Posten weg.

Einen Lichtblick zeichnet sich ab, wobei man sich nicht an diesen Strohhalm klammern sollte, da noch keine Details bekannt sind.
Der Finanzausgleich wird neu geregelt und die Orte mit zentralen Versorgungsfunktionen sollen leistungsgerechtere, also höhere, Schlüsselzuweisungen erhalten. In welchem Umfang sich das auf die städtischen Einnahmen auswirken wird, ist für mich noch nicht absehbar.

Morgen – Mittwoch um 18:00 Uhr, tgt der SteU im Rathus.

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