Der Crash des Karitalismus (1)

Die Scheren (04. April 2009)

Natürlich bietet ein Urlaub neben einem umfangreichen Besichtigungsprogramm auch die Möglichkeit, wieder einmal in Ruhe ein Buch zu lesen. Üblicherweise mache ich mir zu Vorträgen und Büchern Notizen, diesmal werde ich sie ins Netz stellen. Hier im Ferienhaus gibt es allerdings keinen Internetzugriff, so dass ich erst einmal Texte als „Konserve“ erstelle.

Das Buch, das ich mir in der ‚Bahnhofsbücherei in Hamburg gekauft habe, ist „Der Crash des Kapitalismus“ von Ulrich Schäfer, erschienen im Campus Verlag. Ulrich Schäfer ist Wirtschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung“.

„Wir haben bereits in der Weltwirtschaftskrise gelernt, dass der Markt allein es nicht richtet. Aber das ist 80 Jahre her. Und irgendwann ist das Bewusstsein dafür verloren gegangen.“ Joseph Stieglitz, Nobelpreisträger 2008.

Beginnend wird dargestellt, dass die Entwicklung der letzten Jahre zum Ausdünnung der Mittelschicht führte, die auch als Träger der demokratischen Kultur angesehen werden kann. Die Ausdünnung wird anhand verschiedener „Scheren“ dargestellt und ist Ausdruck der Ungleichverteilung der erwirtschafteten Werte.

Die Einkommensschere
Die Kaufkraft der Löhne ist seit den neunziger Jahren nicht mehr gestiegen. 2006 hatte, wer zum ärmsten Zehntel gehörte, 13 % weniger im Portmonee, wer zum reichsten Zehntel gehörte, konnte sich über eine Steigerung von 31 % seines Nettoeinkommens freuen. Die 650 Deutschen mit dem höchsten Vermögen verdienten im Durchschnitt 15 Mio. , die 65 Reichsten sogar 48 Mio. Euro im Jahr. Und Deutschland liegt damit noch im moderaten Bereich. In den USA verdiente ein Firmenchef ca. 40 mal so viel wie ein durchschnittlicher Arbeiter. Ende der neunziger Jahre war es ca. 400 mal so viel. Heute gibt es Manager, die das 4000 fache Einkommen eines durchschnittlichen Arbeiters einnehmen. „Die 13000 reichsten Familien des Landes verdienen so viel wie die 20 Mio. ärmsten Familien zusammen“. Dabei muss berücksichtigt werden, dass 2.7 Milliarden, also fast die Hälfte der Weltbevölkerung, mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen muss.

Die Vermögensschere
13 % der Deutschen gelten als arm. Ohne Sozialleistungen wären es doppelt so viele. Und das, obwohl die Deutschen 5.4 Billionen Euro besitzen, also ca. 81000 Euro pro Person. Allerdings ist es so, dass die reichsten 10 % hiervon 60 %, also 3,24 Billionen in Händen hält. (Die Berechnung passt bei ca. 67 Mio. Deutschen. Mangels Zugriff auf das Internet kann ich Zahlen nicht überprüfen, glaube aber, es gibt ca. 75 Mio. Deutsche). Addiert man das Vermögen der 1125 Milliardäre der Welt, so besitzen die Superreichen 4.4 Billionen US-Dollar, „ungefähr so viel wie die gut 3 Milliarden Einwohner von Indien, Pakistan, Bangladesh, Indonesien, Thailand, Malaysia, Vietnam, den Philipinen und Afrika zusammen in einem Jahr erwirtschaften.“

Die Risikoschere
Es ist ein gern wiedergekäutes Argument, dass das Risiko die Kehrseite der Gewinnmöglichkeit ist. Das gilt in vielen Fällen sicher für den kleinen Handwerker oder Selbstständigen und sicher auch für die allermeisten Mittelständler. Die Manager großer Konzerne wiederum sind über Abfindungsregelungen und Haftpflichtversicherungen abgesichert. Beim Verschieben von Unternehmensanteilen oder ganzen Unternehmen tragen die Beschäftigten das Risiko. 3000 Siemensmitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz nach dem Verkauf der Handysparte an BenQ. Hat eine Bank erst einmal den Status „Systemisch“ erreicht, haften die Steuerzahler für die Fehler der Manager, wenn der Staat mit Steuermilliarden einspringt.

Die Bildungsschere
Nach wie vor ist es so, dass in Deutschland Kinder aus einkommensstärkeren Familien bessere Bildungschancen haben als Kinder aus ärmeren Verhältnissen. Nachhilfe ist so teuer, dass sie für ärmere nicht erschwinglich ist. Schon das schreckt viele einkommensschwache Eltern ab, ihre Kinder auf Gymnasium zu schicken. Für Privatschulen sind schon einmal 15000 Euro pro Jahr fällig, für Eliteuniversitäten in Frankreich, Großbritannien und den USA sind schell 50000 Euro fällig.

Die Wachstumsschere
Russland, China, Indien und die anderen Schwellenländer verzeichnen ein deutlich höheres Wirtschaftswachstum als die traditionellen Industriestaaten. Ihre Schlüsselindustrien sind entweder in staatlichen oder quasistaatlichen Händen. Viele dieser Länder nutzen dabei die Offenheit der internationale Märkte, schotten ihre eigenen Volkswirtschaften aber ab. Diese autoritär geführte Form des Kapitalismus stellt einen Gegenentwurf zur liberalen Wirtschaftsordnung des Westens dar.

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