Mitwoch 17:00 Uhr. Der SteU tagt.

Am Mittwoch tagt der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. Die Sitzung beginnt bereits um 17:00 Uhr, um den Planern von Aldi die Möglichkeit zu geben, die Mitglieder des Ausschusses und die Öffentlichkeit über verschiedenen Gestaltungsalternativen zu informieren.
131215_Aldi_klIch persönlich halte die Diskussion der Gestaltungsalternativen für wichtig. Es steht aber zu vermuten, dass verschiedene Alternativen vorgestellt werden und sich die Mehrheit im Ausschuss sich schon einmal auf einen Entwurf vorfestlegt. Wichtig wäre, die verschiedenen Entwürfe in die Fraktionen zu geben, um sie dort in Ruhe beraten zu können. Eine Beteiligung des Stadtmarketings und ggf. der Marius Böger Stiftung wäre ebenfalls wünschenswert.
Ich vermute aber, dass auf eine schnelle Entscheidung gedrängt werden soll, am besten verbunden mit der Billigung des Verträglichkeitsgutachtens für diesen Standort.
Auch ohne Glaskugel glaube ich vorhersagen zu können, wer sich gegen eine Gestaltung ausspricht, die dem kleinstädtischen Charakter unserer Stadt widerspricht und stattdessen einem modernen „Hingucker“ das Wort reden wird.

Für viel wichtiger als die Gestaltungsfrage halte ich aber die Frage, ob ein 1020 qm Discounter an dieser Stelle zu rechtfertigen ist. In meinem Beitrag vom 30. Oktober 2013 habe ich aus dem Einzelhandelskonzept der CIMA zitiert. Hieraus geht klar hervor, dass Nahversorger in ihrem Bestand gesichert werden sollen, gleichzeitig wird aber betont, keine Discounter mit mehr als 800 qm Verkaufsfläche außerhalb des zentralen zuzulassen. Gleiches gilt für Neuansiedlungen mit mehr als 200 qm Verkaufsfläche.
Dieses Gutachten der CIMA wird nach meiner Meinung mit dem Verträglichkeitsgutachten zum Standort Lütjenburger Straße ausgehebelt. Dieses Gutachten bestätigt die Verträglichkeit eines 1020 qm Aldi an diesem Standort.

Damit entsteht dort kein kleinflächiger Handel, auch wenn der Eindruck erweckt werden soll, es würde sich lediglich um eine Erweiterung von 470 qm handeln. Handelt es sich nach meiner Auffassung nicht, denn ein Markt mit 1020 qm Verkaufsfläche ist so groß wie ein durchschnittlicher Supermarkt (jedenfalls wenn man dem Einzelhandelsgutachten der CIMA Glauben schenken darf). Damit hat er die Qualität eines Vollversorgers. Das Argument, es würde sich lediglich um eine Erweiterung und nicht um einen Neubau handeln, ist der Versuch, das Bauleitverfahren zu vermeiden. Damit ließe sich das Verfahren zwar beschleunigen, Anregungen und Bedenken – etwa von Anwohnerinnen, Anwohnern oder dem Stadtmarketing – könnten aus dem Verfahren ausgeblendet werden.

Die Aussage, dass die Umsatzverlagerung zu Lasten des Sky-Marktes bei knapp 7 % und damit unter einem Warnschwellenwert liegen würde, ist vermutlich richtig. Die Aussage, dass das Vorhaben damit genehmigungsfähig ist, zweifel ich an. Diese Aussage wäre korrekt, wenn die Plöner Innenstadt wirtschaftlich uneingeschränkt leistungsfähig ist. Ich vermute aber, sie ist es nicht. Für eine Vorschädigung sprechen Leerstände, häufige Betreiberwechsel und das Angebot, das mit 9 (?) Bäckern bereits eine bedenkenswerte Tendenz aufweist. Bei einer Vorschädigung kann jede Erweiterung des Angebots außerhalb des zentralen Versorgungsbereiches versagt werden. Die Frage, ob für den Zentralen Innenstadtbereich eine Vorschädigung vorliegt, wurde aber gar nicht untersucht.

Ich halte die Entwicklung aus einem weiteren Grund für problematisch. Wenn das Einzelhandelskonzept ein gutes Jahr nach der Billigung bereits wieder aufgeweicht wird, besteht die Gefahr, dass sich das nächste Gutachten mit der Verträglichkeit von 2600 qm Verkaufsfläche am Klinkerteich befaßt, die dann vielleicht noch nach unten korrigiert und mit 1800 qm Verkaufsfläche für verträglich erklärt werden.

Für mich stellt sich nicht die Frage, ob man noch einmal 3000,– Euro in die Hand nehmen soll, um die beiden vorhandenen Gutachten mit ihren gegenläufigen Aussagen durch einen unabhängigen Fachmann beurteilen zu lassen. Mir stellt sich die Frage, warum man überhaupt Geld für ein Einzelhandelskonzept in die Hand genommen hat, um sich beraten zu lassen, wenn die Ergebnisse noch nicht mal eine Halbwertzeit von einem Jahr haben.

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