Bootshalle gegen Wanderweg

Morgen wird der Ausschuß für Stadtentwicklung und Umwelt (SteU)  tagen. Dabei wird es im wesentlichen um das Thema Bebauungsplan 16a “südliche Eutiner Straße” gehen. Die Verwaltung schlägt vor, auf Basis des städtebaulichen Konzeptes ein Planungsbüro zu beauftragen, den Bebauungsplan zu entwickeln.

Auslöser für die Planung ist die Absicht des Plöner Segelvereines (PSV), auf dem Grundstück eine Bootshalle zu errichten. Der Segelverein hatte im November 2013 einen entsprechenden Bauvorbescheid beantragt.

Im SteU stießen diese Pläne auf Ablehnung, weil das geplante Gebäude durch seine Länge und Höhe den Blick von der Eutiner Straße auf den großen Plöner See verstellen würde. Dies liefe den Absichten des Ausschusses entgegen, die “Erlebbarkeit” des Plöner Sees zu verbessern. Es wurde schon immer, auch von der CDU, die sich jetzt hinter die Pläne des PSV stellt, beklagt, dass man in Plön von fast keiner Stelle aus auf einen See sehen kann, obwohl Plön von Seen umgeben ist.

Daher wurden die alte Absicht, für den Bereich Eutiner Straße einen  Bebauungsplan aufzustellen, wieder aufgegriffen. Mit ihm soll die geamte Entwicklung im Bereiches der Eutiner Straße gesteuert werden. In Verbindung damit wurde eine Veränderungssperre beschlossen. Das führte beim Vorstand des PSV zu Unmut, der seine Baupläne erst einmal auf Eis legen mußte.

Bei der Bewertung muß man berücksichtigen, dass sich der Charakter der Eutiner Straße in den letzten Jahrzehnten erheblich geändert hat. Früher war sie eine reine Durchgangstraße. Nach dem Bau der innerörtlichen Umgehung ist sie die Hauptverbindung für Fußgänger und Radfahrer aus den östlichen Stadtvierteln zur Innenstadt. Darüber hinaus ist sie mit ihrem Angebot an Parkplätzen und Gastronomie für den Fremdenverkehr von Bedeutung. Setzt der PSV die Bebauung wie geplant um, würde von dem Streckenabschnitt der Eutiner Straße, von dem aus man das Wasser sehen kann, ein erheblicher Anteil verloren gehen.

Das Argument, dass man den See ohnehin nicht mehr sehen kann, weil die Hecke so hoch sei, ist dabei unerheblich. Herr Dr. Lorenzen wies während der Einwohnerfragestunde in der letzten Ratsversammlung darauf hin, dass der PSV die Hecke erst in den letzen zwei Jahren so hoch wachsen ließ. Er vermutete, dass dies in der Absicht erfolgte, um zu argumentieren, dass die Sicht wegen der Hecke ohnehin nicht gegeben sei, also warum müsse man dann wegen der Bootshalle einen teuren Bebauungsplan erstellen. Er bat, nicht auf diesen Trick hereinzufallen.

Der SteU sieht aber sehr wohl die Berechtigung des Anliegens des PSV, sich weiter zu entwickeln. Die Umkleide und Sanitärräume entsprechen nicht mehr den Standards, der Bedarf für ein zeitgemäßes  Regattabüro und einen Jugendraum ist unumstritten. An der Frage, ob die Optimisten-Jollen aufgetakelt in einer Halle stehen müssen, scheiden sich allerdings die Geister.

Um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen wurden verschiedenen Alternativen für den Standort der Bootshalle entwickelt. Als weitere Option wurde vorgeschlagen, den Strandweg über das Gelände des PSV bis zum Fischereibetrieb fortzuführen und in Verbindung damit die Bootshalle wie vom PSV geplant zu errichten. Bei dieser Lösung wäre die Erlebbarkeit des Sees nicht nur erhalten, sondern sogar verbessert worden.
In der Öffentlichkeit wurde dieser Lösungsansatz gelegentlich als erpresserisch dargestellt.
Darüber hinaus wurde das persönliche Verhältnis zwischen dem Vereins- und des Ausschußvorsitzenden thematisiert, das als belastet gelten kann.
Nach meiner Einschätzung trifft das zu, ist aber nicht von entscheidender Bedeutung.

Hinzu kommt auch, dass der Erbbauvertrag mit dem PSV in wenigen Jahren ausläuft und dann neu verhandelt werden muß.

Der PSV ist einer der größten Plöner Vereine. Er stellt sein Gelände für das Stadtbuchtfest zur Verfügung und ist regelmäßig Veranstalter für Deutsche- und Europameisterschaften. Er ist damit von Bedeutung für das soziale Leben in der Stadt und auch für den Tourismus. Aus meiner Sicht ist sein Bestreben ebenso berechtig wie das Bestreben des Ausschusses, den freien Blick auf den See für die Fußgänger, Radfahrer und Sommergäste zu erhalten.

So wie es sich für mich darstellt, ist die Situation völlig verfahren. Einer Weiterführung des Strandweges über das Vereinsgelände werden die Mitglieder des PSV mit Sicherheit nicht zustimmen. Es wäre das AUS für das Vereinleben in der bisherigen Form. In Folge dürfte aber auch klar sein, dass es den Bau der Bootshalle in der vom PSV geplanten Form so vermutlich nicht geben wird. Es wäre aus meiner Sicht auch nicht in Ordnung, den auslaufenden Erbbauvertrag als Druckmittel einzusetzen. Da zu vermuten ist, dass auch der SteU, der immerhin das öffentliche Interesse vertritt, an seinen Zeilvorstellungen festhalten wird.
Nach meiner Einschätzung wird dass Bebauungsplanverfahren weitergeführt. Das wäre auch konsequent, weil es dem Ausschuß letztendlich um die geordnete Entwicklung des gesamten Bereiches geht.

2 Gedanken zu „Bootshalle gegen Wanderweg

  1. Weshalb wäre das das AUS für das Vereinsleben ??? Etwas einseitig diese Stellungnahme. Herr Buth. Der Uferbereich ist nicht privatisiert durch den PSV und dem Segelsport wäre die öffentliche Erlebbarkeit überhaupt nicht abträglich. Die Stadt würde attraktiver. Schauen Sie doch mal nach Ascheberg, Dersau, Bosau, Lippe, Heikendorf, Mönkeberg, Wendtorf usw,. Das Konzept den Uferweg direkt am See entlang zu führen ist wohl die innovativste Idee im Plön in dem letzten Jahren. Kann doch nicht sein, dass so ein öffentliches Grundstück im Bedarfsfall der Stadtentwicklung entzogen wird.

  2. Hallo Gummiente,
    neue Ideen findet man in alten Akten. Die Idee, den Strandweg über das Gelände des Segelvereins zu verlegen, gab es bereits vor vielen Jahren. Sie wurde wegen ihrer faktischen Undurchführbarkeit nicht weiter verfolgt.
    Es wäre das AUS des Vereinslebens in der bisherigen Form. Der gesellige Teil des Vereinslebens spielt sich im Bereich zwischen dem Fährhaus und den Stegen ab, zum Beispiel nach der traditionellen Mittwochregatta. Diese Art des Vereinslebens wäre faktisch unmöglich, wenn der Wanderweg durch diesen Bereich verlaufen würde. Alternativflächen hierfür kann ich nicht erkennen, zumal die Errichtung eines Wanderweges zu Lasten der Flächen gehen würde, die für den Segelsport erforderlich sind.
    Anders als die von Ihnen genannten Vereine an der Ostsee, die vermutlich überwiegend Yachten beheimaten, gibt es im PSV einen hohen Anteil von Jollenseglern mit Landliegeplätzen. Die Sportlerinnen und Sportler sind auf die Rampen und Slipanlagen angewiesen, die sich unmittelbar am Ufer befinden. Diese lassen sich wiederum nicht mit einem Wanderweg vereinbaren.
    Was die Segelvereine in Dersau, Ascheberg und Bosau angeht kann ich nur sagen, dass weder in Ascheberg noch in Bosau ein Wanderweg über das Gelände der dort ansässigen Segelvereine führt. Daher verstehe ich diesen Teil der Argumentationsführung nicht.
    Am Großen Plöner See werden lediglich in Dersau das Vereinsgelände und die Steganlage durch einen Uferwanderweg getrennt. Im Bezug auf die Nutzung der Wege – Spazierweg am Wasser bzw. innerörtliche Verbindung für Fußgänger ist die Situation nur schwer vergleichbar.
    Viele Grüße.

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