Kanadas Weg nach dem Bruch der alten Weltordnung

In Davos haben alle gespannt oder gebannt der ausschweifenden Rede des PROTUS (President of the United States) geachtet. Eigentlich überflüssig, weil das „heute Hüh, morgen Hot“ das Kalkül des mittelmäßig erfolgreichen Immobilieninvestors ist und für niemanden eine Überraschung darstellen dürfte.

Weniger beachtet, dafür sehr vielzukunftsweisender war die Rede des kanadischen Premierministers Mark Carney.
Seine Kernaussage lautet: die Weltordnung befindet sich in einem Bruch, nicht in einem Übergang.
Aus seiner Analyse leitet er Handlungsempfehlungen für die „Mittelmächte“ ab, wenn sie ihre Positionen und ihre Werte (Menschenrechte, nachhaltige Entwicklung, Solidarität, Souveränität und territoriale Integrität) in der neuen Weltordnung behaupten wollen.

Eine Option wäre, sich anzupassen, um Ärger zu vermeiden. Hinter dem Gedankengang steckt die Idee, sich durch Gefügigkeit Sicherheit zu erkaufen. Das wird seiner Ansicht nach aber nicht funktionieren.
Die Vorstellung, dass sich die wirtschaftlichen Verflechtungen, abgesichert durch eine regelbasierte Wirtschaftsordnung und durch nationenübergreifende politische Gremien zum Nutzen aller beitragen funktioniert nur so lange, wie wirtschaftliche Verflechtungen nicht als Waffe, Zölle nicht als Hebel, Finanzstruktur nicht als Zwangsmittel und Lieferketten nicht als wunde Punkte ausgenutzt werden.

Als Gegenmaßnahme ziehen bereits jetzt viele Nationen de gleichen Schluss, nämlich eine größere Autonomie in strategischen Bereichen zu erzielen, um die Erpressbarkeit zu reduzieren.
Wenn Regeln Dich nicht mehr schützen, mußt Du Dich selber schützen.

Premierminister Carney geht von der Annahme aus, dass Hegemonialmächte ihre Wirtschaftsmacht nicht dauerhaft gegen verbündete durchsetzen können, wenn diese sich in Ihren Wirtschaftsbeziehungen „diversifizieren“, um Unsicherheiten zu reduzieren.
Die hegemonie besteht aber nur so lange, wie daran geglaubt wird.
Wenn die Bereitschaft einzelner besteht, die Allmacht der Hegemonialmächte in ihrem Herrschaftsbereich in Frage zu stellen, dann wird diese Macht anfangen zu bröckeln. Das Beispiel dazu ist der Zusammenbruch des Ostblocks, als einzelne Staaten ausgeschert sind und die anderen folgten.

Es muss aber auch zur Kenntnis genommen werden, dass wir (Anm.: als „globaler Norden“) es uns bisher in der regelbasierten Ordnung bequem gemacht haben. Wir haben davon profitiert, dass die Vereinigten Staaten von Amerika sich bei der Sicherung offener Seewege, der Etablierung eines stabilen Finanzsystems, der kollektiven Sicherheit und der Unterstützung für Rahmen zur Streitbeilegung stark engagiert haben.
Dafür haben wir hingenommen, dass das Völkerrecht je nach Identität des Beschuldigten oder des Opfers mit unterschiedlicher Strenge angewandt wurde.
Die alten Gewissheiten gelten nicht mehr. Wenn man seine eigene Souveränität sichern will, muss man die Fähigkeit erlangen, Druck standzuhalten. Risikomanagement hat seinen Preis, aber die Kosten für strategische Autonomie und Souveränität kann man teilen.

Die Kosten für Resilienz (der Begriff kommt aus der Psychologie und wird seit über 10 Jahren auch für Felder der Sicherheitspolitik verwendet. Er bedeutet im gründe genommen so viel wie: „Widerstands- und Regenerationsfähigkeit“ beziehungsweise „Krisenfestigkeit“) sind hoch, aber sie können sich reduzieren, wenn man sich gemeinsam auf Standards einigt. Das wäre ein Positivsummenspiel.

Premierminister Carney bezieht sich in seinen Lösungsansatz auf den finnischen Präsidenten Stubb, der den Begriff des „wartebasierten Realismus“ verwendet. Das bedeutet in letzter Konsequenz, dass man zu seinen Prinzipien wir Souveränität und Menschenrechten steht, gleichzeitig aber anerkennt, dass Fortschritt oft schrittweise erfolgt, dass Interessen auseinandergehen und nicht jeder Partner immer alle unsere Werte teilt.

Um diesen Ansatz zu realisiere, verfolgt Kanada verschiedene Handlungslinien.  Seine Verteidigungsausgaben werden bis zum Ende des Jahrzehnts verdoppelt. Dabei wird auf die Stärkung der heimische Rüstungsindustrie geachtet. .Gemeinsame Beschaffungen sollen zukünftig verstärkt mit europäischen Staaten und deren Rüstungsargentur SAFE erfolgen. Handelsbeziehungen werden ausgebaut. In den letzten Monaten wurden 12 Handelsabkommen mit Staaten auf vier Kontinenten abgeschlossen. Weitere Verhandlungen laufen.
Strategische Industrie- und Forschungszweige werden im eigenen Land gefördert.
In der Außenpolitik wird Kanada sich in unterschiedlichen Koalitionen auf Basis gemeinsamer Interessen und Werte engagieren.
Gleichwohl betont er Premierminister Carney die Bindung seinen Landes an die NATO und bekannt sich zum Artikel 5 der NATO.
Mit einer verstärkten Zusammenarbeit im atlantischen Raum (Schwerpunkt EU) und dem Pazifischen Raum (Astralien, Neuseeland, Japan, Südkorea) kann ein Handelsblock mit 1,5 Milliarden Menschen entstehen.
Um nicht abhängig von Hegemonien und „Hyperscalern“ (IT-Firmen mit globaler Marktmacht) zu werden, müssen eigene Kapazitäten im Bereich künstliche Intelligenz geschaffen werden.

Premierminister Carney betont, dass die „Mittelmächte“ sich gemeinsam  an einen Tisch setzen müssen, um erfolgreich zu sein und bestehen zu können. Verhandeln sie bilateral, dann verhandeln sie aus einer Position der Schwäche heraus und müssen nehmen, was geboten wird.
Einzelstaaten werden darum konkurrieren, am gefälligsten zu sein.

Kanada hat einer Koalition der Mittelmächte viel zu bieten: Rohstoffe, finanzielle Handlungsfähigkeit, eine Bevölkerung mit hohem Bildungsstand und eine funktionierende pluralistische Gesellschaft. Kanada ist ein verläßlcher Partner mit einem Interesse an langfristigen Beziehungen.

Sein Land erkennt an, dass die alte Ordnung zerbrochen ist und auch nicht wiederhergestellt werden kann. Der Bruch der alten Weltordnung erfordert entschlossenes Handeln.
Kanada wird seine Weg gehen und bietet allen, die dazu bereit sind an, ihn gemeinsam zu gehen. 

Neujahrsrede des Bürgermeisters

Liebe Leserinnen und Leser,

heute fand in den Räumen der Fördesparkasse der gemeinsame Neujahrsempfang der Stadt Plön, der Marineunteroffizierschule und der Fördesparkasse statt. An der Veranstaltung nahmen unter anderem Vertreter*innen der Partnerstadt Plau am See, der Nachbarstädte Lütjenburg und Preetz und vieler Plöner Behörden, Vereine und Verbände teil. Im Rahmen der Veranstaltung wurde Frau Astrid Röhr vom Musikzug Plön für ihre langjährige ehrenamtliche Arbeit mit der Bürgermeister Kiunder Medaillie ausgezeichnet. Völlig zu Recht. Vielen Dank für das Engagement und herzlichen Glückwunsch.

Nachfolgend die Rede von Herrn Bürgermeister Lasr Winter, die er mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Sie gibt einen ganz guten Überblick darüber, was sich im vergangenen Jahr getan hat und was im neuen Jahr ansteht:

„Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten.“

Liebe Plönerinnen und Plöner, liebe Gäste,
kein geringerer als Willy Brandt hat diesen Satz formuliert und hat in seiner Zeit als Bundeskanzler ganz neue Wege beschritten und die Zukunft unseres Landes gestaltet.
Diese Aussage sollten wir uns in diesem Jahr als Leitsatz bei der Umsetzung unserer Projekte immer wieder vor Augen halten.
Ich begrüße Sie recht herzlich zu unserem diesjährigen gemeinsamen Neujahrsempfang der Marineunteroffiziersschule und der Stadt Plön.
Ich wünsche Ihnen allen ein frohes, glückliches und gesundes neues Jahr.
Wieder einmal dürfen wir unseren Neujahrsempfang in den Räumlichkeiten der Förde Sparkasse ausrichten. In diesem Jahr zum 12. Mal.
Herzlichen Dank für die Gastfreundschaft.
Traditionell nehmen die Vertreterinnen und Vertreter der Vereine, Verbände und Behörden an den Neujahrempfängen teil. Immer wieder und in den letzten Jahren auch vermehrt, kommen die Plönerinnen und Plöner und Gäste aus dem Umland zu diesem gesellschaftlichen Ereignis. Dafür bedanken wir uns sehr herzlich und heißen Sie alle herzlich willkommen.
Mit einem unserer städtischen Partner richten wir diesen Neujahrsempfang aus. Ein anderer Partner sitzt, wie in jedem Jahr, hier vor mir. Aus unserer Partnerstadt Plau am See begrüße ich recht herzlich Bürgervorsteher Tast und Bürgermeister Reier mit seiner Gemahlin.
Ich freue mich, dass heute der Schleswig-Holsteinische Landtag vertreten ist.
Mein herzliches Willkommen gilt der Abgeordneten Frau Poersch.
Für den Kreis Plön begrüße ich recht herzlich Kreispräsident Herrn Leyk.
Für die verschiedenen Kommunen begrüße ich stellvertretend Bürgervorsteher Herrn Gärtner von unserer Nachbarstadt Preetz.
Stellvertretend für alle Hilfsorganisationen begrüße ich von der Polizeistation Plön die stellvertretende Leiterin Frau Sievers.
Bei dem einen großen Geldinstitut sind wir als Gast, und das andere große Geldinstitut ist bei uns zu Gast. Ich begrüße für die VR-Bank Frau Hansen und Herrn Knoll.
Die Kirchengemeinden sind ebenfalls vertreten. Ich begrüße Pastor Thiele.
Ebenso begrüße ich meine beiden Vorgänger im Amt, die Bürgermeister a.D. Jens Paustian und Ulf Demmin.

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten.“
Und das gilt natürlich auch für Plön.
Im abgelaufenen Jahr haben wir viel dazu beigetragen die Zukunft zu gestalten.
Hier ein paar Beispiele dafür:

Wir haben rd. 40 Kindern eine neue Heimat in einem Kindergarten geschaffen. In einer großartigen Kooperation mit der Johanniter Unfallhilfe konnte im Oktober der Betrieb aufgenommen werden.

Wir haben den rechtlichen Rahmen geschaffen, dass Plön doch noch zum ersehnten Glasfaserausbau kommt. Dazu nach her noch mehr.

Die Infrastruktur ist mit der Fertigstellung des Steinbergweges und der derzeitigen Sanierung der Ulmenstraße ein Stück weit zukunftssicherer geworden.

Und wir haben die Voraussetzungen geschaffen, dass in diesem Jahr ein Kinder- und Jugendbeirat seine Arbeit aufnehmen kann. Gemeinsam mit vielen anderen Kommunen in Schleswig-Holstein wird die Wahl am 20. November durchgeführt. Zuvor gibt es eine intensive Vorbereitung für interessierte Kinder und Jugendliche durch die Schulen und Mitarbeitern der Stadt Plön.

Die Grundlage für ein barrierefreies Bürgerbüro ist geschaffen worden. Spätestens Mitte dieses Jahres wird es eingeweiht. Es wird gemeinsam mit dem Stadtbüro der Stadtwerke Plön in der Langen Straße 21, im Otto-Haack-Haus, installiert. Alle grundsätzlichen Dienstleistungen für die Bürgerinnen und Bürger können dort erledigt werden.

„Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in seiner Weihnachtsansprache die Deutschen zu mehr Miteinander-Reden und zum demokratischen Streiten aufgerufen – im Interesse der Gesellschaft und des Landes.“

Dazu rufe ich auch die Bürgerinnen und Bürger in der Stadt Plön auf. Aufgerufen sind alle. Nicht nur die, die gegen Veränderung sind. Auch die schweigende Mehrheit, die vielleicht für ein Projekt sind, sollen sich beteiligen. Und in diesem Jahr haben wir viele Projekte am Start, die das Gesicht von Plön verändern können. Ja, verändern sollen.
Veränderungen sind nicht gleichbedeutend mit Verschlechterungen. Ganz im Gegenteil. Sie gehören zur Entwicklung einer Stadt und ihrer Gesellschaft.
„Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten.“

Und das wollen wir in Plön auch tun.
Mit dem Masterplan Nordufer Großer Plöner See 2030 haben wir ein sehr großes Projekt am Start, das die Plönerinnen und Plöner schon heute, gerade nach der ersten Vorstellung, bewegt. Diesen Schwung sollten wir nutzen, um einen großen Bürgerdialog zu führen. So schlage ich vor, dieses Thema im Rahmen einer Einwohnerversammlung vorzustellen und zu diskutieren.

Ein weiteres Projekt für eine ausgiebige Bürgerbeteiligung wird die Städtebauförderung werden. Der Bereich des Bahnhofsvorplatzes, des ZOBs bis hin zur Schwentineplattform wird Gegenstand von Voruntersuchungen, die demnächst mit weiteren Gutachten beauftragt und erstellt werden.
Über die Ergebnisse möchten wir uns gern gemeinsam austauschen, um zu guten Ergebnissen zum Wohle unserer Stadt zu kommen.

Eine weitere Herzensangelegenheit von mir ist der Breitbandausbau in unserer Stadt. Nun geht es endlich los. Am 30. Januar, um 19.00 Uhr, informieren wir über den Ausbau in der Aula am Schiffsthal. Schon heute können sie im Internet unter www.SWP-Breitband.de die wichtigsten Informationen erhalten.
Ich werde mich persönlich an der Akquise beteiligen und von Haus zu Haus gehen, damit der Ausbau ein Erfolg wird.

Weitere Zukunftsthemen stehen an.
Wir wollen uns auf den Weg der CO²-neutralen Stadt begeben.
Dazu kümmern wir uns um die E-Mobilität in der Stadt.
Wir bauen die fahrradfreundliche Stadt weiter aus. Noch in diesem Monat konstituiert sich das Fahrrad-Forum-Plön. Erste Verkehrsversuche werden starten.
Wir wollen den Plastikkonsum in unserer Stadt reduzieren.
Ich sprach von der Veränderung des Plöner Stadtbildes. Dazu gehört auch, dass wir so viele B-Pläne in der Bearbeitung haben, wie schon lange nicht mehr:

Hotelentwicklung Fegetasche,
Erweiterung Gewerbegebiet,
Ochsenkoppel,
Vogelberg,
Kieler Kamp,
Eutiner Straße.
Die Fläche des Seehofes muss entwickelt werden.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
es steht uns viel Arbeit bevor. Es stehen uns viele Diskussionen bevor, die auch dringend zu führen sind. Und damit komme ich auf mein Eingangszitat zurück.
„Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten.“
Beteiligen Sie sich alle an der Gestaltung unserer Stadt. Bringen Sie Ihre Ideen, Ihre positiven wie auch kritischen Meinungen mit in die Diskussion ein. Aber haben Sie keine Angst vor Veränderungen. Denn am Ende wird es sich bewahrheiten, was der Oberbürgermeister der Stadt Mannheim, Dr. Peter Kurz einmal gesagt hat:
Heute ist die gute alte Zeit von morgen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

(es gilt das gesprochene Wort)